Wege zur strukturierten Strombeschaffung
Wenn es um die Wahl der Strombeschaffungskanäle geht, kommt für viele Stadtwerke nur Vollversorgung in Frage. Alternativen erscheinen oft zu aufwändig und teuer. Doch mit Hilfe der passenden Software und einer Portion Know-how steht dem Aufbau einer Beschaffungsabteilung nichts mehr im Wege. Sogar mittelgroße und kleinere Stadtwerke können eine strukturierte Beschaffung praktizieren, zum Beispiel als Mitglieder eines Stadtwerke-Pools oder durch die Nutzung von Rechenzentrumsdienstleistungen.
Hohe Kosten und die Bindung personeller Kapazitäten schrecken viele Stadtwerke davor ab, von der etablierten Vollversorgung auf die strukturierte Beschaffung umzuschwenken. Zu teuer sind vielen die benötigten Software-Tools, zu personalintensiv die tagtägliche anfallende Arbeit, die zum Beispiel Fahrplanverträge mit sich bringen. Doch nicht immer treffen diese Argumente zu. Stadtwerken stehen vielerlei Möglichkeiten offen, aktiv die Beschaffung zu gestalten – von der Inanspruchnahme von Datenmanagement-Dienstleistungen über Software-Services (über Application Service Provider) bis hin zu Pool-Lösungen. Für etwas größere Stadtwerke rechnet sich oft der Schritt, selbst in Infrastruktur zu investieren – wie bei der Wuppertaler Stadtwerke AG (WSW), die 2003 einen Bereich für Energiebeschaffung und -handel aufbaute und in wenigen Monaten die dafür notwendige Softwarebasis installieren ließ. Die WSW erkannte das Potenzial der strukturierten Beschaffung und löste sich zu Beginn dieses Jahres von der Vollversorgung. Im Rahmen einer Regiopartnerschaft partizipieren auch andere Stadtwerke an den neuen Beschaffungsmöglichkeiten (derzeit die Stadtwerke Velbert GmbH und für 2005 auch die EWR GmbH aus Remscheid). Trotz der Investitionen in Informationstechnologie ist ein schneller Return of Investment in Sicht: Schon in den ersten Monaten konnten die Regiopartner relativ viel Geld sparen, bestätigt WSW-Energiehändler Norbert Eichhorn und rechnet hoch, dass sich die Investitionen in die neue IT-Lösung in spätestens drei Jahren bezahlt gemacht haben werde. Die entsprechende Softwarebasis haben die VA TECH SAT GmbH, Waltershausen, und die EnDaNet GmbH, Erfurt/Bremen, geschaffen. EDM SAT PROPHET unterstützt das Energiedatenmanagement, als Portfoliomanagementsystem kommt E-Risk-POWER von der Schweriner DACHS GmbH zum Einsatz, das die EnDaNet in Deutschland exklusiv vertreibt. Beide Lösungen ergänzen die SAP-Landschaft der WSW. SAT PROPHET ist eine Standardsoftware für Geschäftsprozesse im liberalisierten Energiemarkt, die insbesondere das Unbundling für Netz und Vertrieb berücksichtigt. Unterstützt werden zum Beispiel Prozesse für das Durchleitungs- und Netznutzungsmanagement, den Lieferantenwechsel, Bilanzkreis- und Fahrplanmanagement, Energiebeschaffung, Erstellung von Last- und Bedarfsprognosen, Ertrags- und Kostenoptimierung für Netz, Vertrieb und Handel. E-Risk POWER ist der Name einer umfassenden Lösung für das Portfolio- und Risikomanagement, mit der Anwender Beschaffungskosten und ihre Handelsmargen optimieren können oder neue Absatzkanäle erschließen. Die Software beinhaltet dazu Funktionen wie die Portfolioanalyse, die vertragliche Abwicklung, DayAhead-Trading oder Markt- und Preisanalyse, die vom Front Office genutzt werden – also von den Mitarbeitern, die aktiv Stromhandel und -beschaffung betreiben. Funktionen wie die Risikoanalyse, -bewertung oder -controlling erlauben das geschickte Unterstützen dieser Aktivitäten; im Hintergrund des Handelsgeschäftes laufen Anwendungen wie das Verwalten der Stammdaten oder Fahrplan- und Bilanzkreismanagement ab. Während des WSW-Projektes ergaben sich Wünsche, die sich nun in zusätzlichen Funktionen widerspiegeln und den Anwendern von E-Risk POWER jetzt zur Verfügung stehen: Der neue „Hourly Price Forward Curve Builder“ erlaubt die preisliche Bewertung von Lastgängen und Portfolios, wobei Kapazitäten des Kraftwerkparks oder Standard- und Fahrplanprodukte mit einbezogen werden können. Das erleichtert die Bewertung von Lastprofilen und führt zu sicheren Einkaufsentscheidungen. Außerdem neu hinzugekommen ist das Modul zur Portfoliozerlegung und -optimierung. Es gestattet zum Beispiel, diverse Einkaufskanäle gleichzeitig einzubeziehen und Beschaffungsszenarien aufzustellen. Die Szenarien können andere Strategien ausdrücken oder Restriktionen berücksichtigen und geben dem Anwender so die Chance, sich zwischen verschiedenen Strategien auf Basis eines Vergleichs zielsicher zu entscheiden. Das Portfoliomanagement hilft aber nicht nur auf der Beschaffungsseite, sondern es ermöglicht auch ein optimiertes Absatzmanagement. Stadtwerke, die gegenüber ihren Sondervertragskunden Offerten abgeben, profitieren daher ebenso von E-Risk-POWER wie Betreiber von Industriekraftwerken, denen an einer bestmöglichen Vermarktung „überschüssigen“ Stroms gelegen ist.
Lösung für kleine Stadtwerke: Logistik im Pool nutzen Doch nicht für jeden lohnt sich der Kauf eigener Software – zum Beispiel wegen der Lizenzpolitik oder weil der IT-Aufwand nicht im gesunden Verhältnis zum Nutzen steht. Diesen Anwendern, in erster Linie kleineren und mittelgroßen Stadtwerke, steht zum Beispiel der Stadtwerke-Pool offen. Er stellt Pool-Mitgliedern das Know-how der EnDaNet bereit, die aus dem energiewirtschaftlichen Bereich der Stadtwerke Erfurt hervorgegangen ist und über jahrelange Erfahrungen im Handel und Energiemanagement verfügt. Mit ihrer Gründung hat sich die Gesellschaft auf Dienstleistungen für Energieversorger, -erzeuger und Händler spezialisiert. Pool-Mitglieder können die strukturierte Strombeschaffung mit Fahrplanverträgen durchführen, ohne in eine eigene Logistik oder personelle Kapazitäten investieren zu müssen. Im einfachsten Fall nimmt das Stadtwerk Hilfe beim Abwickeln von Fahrplanverträgen und Fahrplanmanagement in Anspruch. Voraussetzung hierfür ist ein bestehender Vertrag zwischen dem Stadtwerk und seinem Lieferanten sowie ein Bilanzkreisvertrag mit dem Übertragungsnetzbetreiber der Regelzone. Darüber hinaus können zum Beispiel Leistungen des Portfoliomanagements in Anspruch genommen werden. Das Portfoliomanagement lässt sich nicht nur im echten Betrieb erfahren, sondern auch in der risikolosen Simulation. Sogar für den Handel an der Strombörse stellt EnDaNet die geeigneten Instrumente bereit, ohne dass der Kunde eine eigene Repräsentanz an der EEX finanzieren muss. Wenn es gewünscht ist, kann auch die Verwaltung aller Zählpunkte und Verträge durch die EnDaNet übernommen werden, die dazu das Zählerfernauslese- und Vertragsabrechnungssystem des Kunden mit EDM SAT PROPHET koppelt. Derzeit nutzt eine Vielzahl von Stadtwerken das Angebot und senkt so die Beschaffungskosten, das kleinste versorgt etwa 5.000, das größte rund 50.000 Einwohner mit Energie.
Software nutzen ohne sie zu kaufen Wer seine Daten nicht aus der Hand geben möchte aber nur über begrenzte Mittel für Software verfügt, kann auch auf ASP-Leistungen (Application Service Provider) zurückgreifen, wie sie ebenfalls von EnDaNet angeboten werden. Dabei nutzt der Kunde die Software auf monatlicher Mietbasis. Die Systeme selbst bleiben im Hause des ASP-Anbieters, der im Rechenzentrumsbetrieb für Updates und Pflege, Backup und die passende Hardware sorgt. Der Kunde greift via Internet oder Standleitung über Frontends auf die Software zu. Im Unterschied zu einem Operating Service Center wie dem Stadtwerke-Pool ist der Kunde hier selbst für die Erledigung der Aufgaben zuständig. Diese Lösung bietet sich zum Beispiel für all diejenigen an, die erst einmal den Umgang mit bestimmten Lösungen testen möchten, bevor sie selbst investieren. Oder für Stadtwerke, bei denen die hausinterne Softwarewartung und -pflege zu hohe Kosten verursachen würde.
Hintergrundinformation VA TECH SAT
VA TECH SAT ist führender Gesamtlösungsanbieter in der Energiewirtschaft und liefert innovative & wirtschaftliche Komplettlösungen für das Management von Prozessinformationen. VA TECH SAT ist ein hochspezialisierter Anbieter im Bereich der Automatisierung räumlich verteilter technischer Prozesse und konzentriert sich auf die Prozesse der Energieversorgung, wie Elektrizität, Gas, Öl und Fernwärme. VA TECH SAT ist Projektpartner der DACHS GmbH bei ganzheitlichen energiewirtschaftlichen IT-Lösungen.
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