E-Risk Gas unterstützt VNG bei kurzfristigem Handel mit Erdgas
Erdgasimporteuren und -weiterverteilern, Regionalversorgern und Stadtwerken steht mit E-Risk Gas eine smarte Lösung zur Verfügung, die das Portfoliomanagement unterstützt und zudem Instrumente für die Risikobewertung bietet. Das aus einer Stromhandelslösung abgeleitete Produkt wurde gemeinsam mit der VNG – Verbundnetz Gas AG entwickelt und erleichtert den mittel- und kurzfristigen Handel mit Erdgas.
Was bei der Strombeschaffung Gang und Gäbe ist, gewinnt auch bei Erdgas an Bedeutung: die mittel- und kurzfristige Beschaffung. Immer mehr Gasgesellschaften, darunter die Importeure, kaufen den fossilen Energieträger an Hubs wie Zeebrügge oder EuroHub ein. Auch die VNG – Verbundnetz Gas AG (Leipzig) nutzt diese Möglichkeiten zur Optimierung des Portfolios. „Den überwiegenden Teil unseres Erdgases beziehen wir über langfristige Lieferverträge aus Russland, Norwegen oder über deutsche Partner“, erklärt Tomas Taubert, der bei VNG im Bereich Gaseinkauf Westeuropa/Gashandel tätig ist.
Für das Beschaffungsmanagement und die Abwicklung stehen den VNG-Mitarbeitern etliche Softwarelösungen zur Verfügung: Das Planen der langfristigen Erdgasbeschaffung erfolgt mit dem Gaswirtschaftlichen Planungssystem GAPS; PSI-Trans dient dem Dispatching, Gas-X der Abrechnung. Diese Lösungen bzw. deren Vorgänger sind seit längerem im Einsatz. Seit einem Jahr etwa ergänzt E-Risk Gas, das Portfolio- und Riskmanagement-System der Dachs GmbH in Schwerin, die Softwaretools der Gashändler.
„Durch den liberalisierten Gasmarkt entstand bei uns der Bedarf, ein Portfoliomanagement für kurzfristige Gashandelsaktivitäten einzuführen“, erklärt Tauberts Kollege Marco Penzhorn. Unter kurzfristig versteht er zum Beispiel Gaslieferungen für den nächsten Tag oder für die kommenden Wochen und Monate. „Anders als Stromhändler denken wir nicht im Viertelstundenrhythmus.“ Das ist nicht das einzige Merkmal, das ein Tool für den Gashandel vom Strom-Pendant unterscheidet. So hat Gas verschiedene Qualitäten (Brennwerte) und es muss physisch transportiert werden, daher sind Leitungskapazitäten zu berücksichtigen. Außerdem kann es gespeichert und gemischt werden. Des Weiteren wird Gas mal in Kilowattstunden, Megajoule, therms oder in Kubikmetern berechnet. „Das sind alles Gründe, wieso ein Portfoliomanagement für Strom nicht eins zu eins auf den Gasmarkt übertragbar ist“, so Taubert.
 |  | | Tomas Taubert (Bild) und Marco Penzhorn ergänzen die langfristige Gasbeschaffung durch den kurzfristigen Gashandel in Emden und am EuroHub. (Bild: PNR) | Marco Penzhorn, zuständig für kurzfristigen Gashandel bei der VNG – Verbundnetz Gas AG, gehört zu den Anwendern von E-Risk Gas. (Bild: PNR) |
Eine fertige Lösung, die der VNG gefiel, gab es damals noch nicht. „Komplettlösungen, die auch bestehende Systeme ersetzt hätten, wollten wir nicht. Wir suchten eine handliche Lösung, um nur die kurzfristigen Geschäfte damit abzubilden“, erklärt Taubert. Auf Empfehlung einer Stromhandelsgesellschaft setzte sich die VNG mit der Dachs GmbH in Verbindung. Die Vielseitigkeit ihrer Stromhandelslösung, die gute Präsentation und „vor allem die Bereitschaft, sich in unseren Markt hineinzudenken“, gaben den Ausschlag, so Taubert. Dass es noch keine Gaslösung gab, stellte schließlich einen Vorteil dar. „Wir mussten kein Produkt kaufen, das den Status quo abbildet, sondern konnten gemeinsam mit den Softwareentwicklern die Flexibilität realisieren, welche die weitere Entwicklung des Gasmarktes verlangt.“
Bedenken der EDV-Abteilung, ein relativ kleiner Anbieter werde nicht den Ansprüchen der Leipziger mit ihren zirka 700 Mitarbeitern genügen, konnte die Dachs-Mannschaft zerstreuen. „Sie hat sich schnell und kompetent in unsere Materie eingearbeitet“, lobt Taubert, der auch das Ergebnis schätzt: „Wir verfügen nun über eine Lösung, die uns die tägliche Arbeit deutlich erleichtert.“
 |  | Preistransparenz: In E-Risk Gas können die Gashändler der VNG für verschiedene Marktplätze parallel verfolgen, wie sich die Gaspreise der vergangenen Tage, Wochen oder Monate entwickelt haben. (Bild: VNG) | Potenzielle Beschaffungsmärkte: Neben den Langfristverträgen, über welche die VNG – Verbundnetz Gas AG den größten Teil ihres Erdgases bezieht, werden kurzfristig Mengen beschafft, zum Beispiel an diesen Hubs in Westeuropa. (Bild: VNG) |
Das Portfolio- und Riskmanagement-System bietet Werkzeuge, die den Handel in Stundenblöcken oder längeren Zeiträumen ermöglichen, speichert Preisentwicklungen an den vorgegebenen Märkten und bereitet diese grafisch auf, unterstützt das Vertragsmanagement und verwaltet Stammdatensätze für die Handelspartner. E-Risk Gas unterstützt darüber hinaus die Vergabe von Limits für Vertragspartner, Portfolios und Systemnutzer. In etlichen Features spiegelt sich Erfahrung aus dem Stromsektor wider: E-Risk Power, das in Deutschland von der EnDaNet GmbH (Erfurt/Bremen) vertrieben wird, beweist seine Eignung für den volatilen Strommarkt bei Händlern, Stadtwerken und Dienstleistern. Doch zurück zur Gaslösung…
Das automatisierte Einlesen von veröffentlichten Marktpreisdaten an den europäischen Hubs in das Handelssystem ermöglicht sowohl die Marktanalyse als auch eine Marktbewertung der eingegangenen Positionen. E-Risk Gas unterstützt die Anwender auch beim Abwickeln der Verträge. So können im System beispielsweise Vorlagen für Transaktionsbestätigungen hinterlegt und durch die Software dynamisch befüllt werden, welche der schriftlichen Vertragsbestätigung gegenüber Vertragspartnern dienen. „Die schnelle und zuverlässige Prozessabwicklung einer Transaktion von der Vertragsvereinbarung über die Vertragsbestätigung bis hin zur Nominierung ist maßgeblich für den Erfolg des kurzfristigen Gashandels“, erklärt Penzhorn. Hier zeigt sich die Besonderheit des Gasmarkts: Die Verträge müssen auch Preisabhängigkeiten, etwa von Öl oder anderen handelbaren Produkten, abbilden können. Gerade die Bindung an den Ölpreis oder die Preise bestimmter Handelspunkte ist im Gasgeschäft keine Seltenheit. Das Weiterleiten relevanter Vertragsinformationen an das Dispatching geschieht zeitnah per Schnittstelle, damit in der Leitwarte Mengen und die Zeitspanne der Lieferung bekannt sind und gegenüber Handelspartnern und Netzbetreibern angemeldet werden können.
Auch wenn VNG selbst die Möglichkeiten des Portfolio- und Riskmanagement-System nicht voll ausschöpft, haben Penzhorn und seine Kollegen doch viele Funktionen mitgestaltet. So ist zum Beispiel der spekulative Handel für VNG kein Thema aber im Handelssystem doch implementiert. „Wir schließen mit dem System selber ja sozusagen nur Bedarfslücken, die nach dem Abruf langfristig vereinbarter Mengen übrig bleiben“, beschreibt Taubert die Vorgehensweise. „Die VNG strebt eine sichere und beständige Gasbeschaffung der Kunden an.“ Stadtwerke, Industrie und andere Marktpartner aber könnten von den Handelsfunktionen durchaus profitieren.
Seine Praxistauglichkeit hat E-Risk Gas bei der VNG jedenfalls bewiesen. „Das System ist reif für den Markt“, versichert Penzhorn, „und wir sind sicher, dass E-Risk Gas sich auch künftigen Anforderungen des Gasmarktes erfolgreich stellen wird.“
Das kann E-Risk Gas
Das Portfolio- und Riskmanagement-System E-Risk Gas der Dachs GmbH (Schwerin) eignet sich für den Mehrbenutzerbetrieb und unterstützt die Verwaltung mehrerer Mandantenportfolios. Das Handelssystem liefert Entscheidungsgrundlagen, um den mittel- und kurzfristigen Gashandel an den Marktplätzen durchzuführen. Es bildet die Aufgaben und Aktivitäten von Händlern oder Portfoliomanagern in vier wichtigen Systembereichen ab. Die Software ist offen gestaltet, so dass zukünftige Entwicklungen des Gasmarktes schnell und marktnah integriert werden können. Zu den wesentlichen Prozessen, die E-Risk Gas unterstützt, gehören: - Abbilden des physischen bzw. finanziellen Handels und Darstellen des Ist-Standes sowie von Handelsalternativen
- Vertragsverwaltung (inkl. Bestätigung/Transport/Dispatching und Invoicing)
- Erfassen von Transport-/Speicherkosten, Nominierung
- Limit- und Risikoüberwachung (inkl. Überwachung von Avalen und Garantien/ MTM/ Portfolioanalyse/ Sensitivitätsanalyse/ Value at Risk)
- Markt- und Preisanalyse (inkl. Price Forward Curves/ Chartanalyse und Darstellen von Realtime Preisen)
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