Fast 4.000 GWh Strom benötigen die europäischen Werke der HeidelbergCement AG im Jahr. Der Konzern optimiert seine Energiebeschaffung mit Hilfe einer Einkaufsstrategie, die auf einer stundengenauen Produktionsplanung basiert. Seit kurzem hilft den Einkäufern ein neues Werkzeug bei dieser Arbeit: das Portfolio- und Risikomanagementsystem E-Risk POWER der DACHS GmbH. Dr. Peter Sentker verfolgt das Geschehen am Strommarkt mit großem Interesse. Als Leiter Einkauf bei der HeidelbergCement AG und Geschäftsführer der 1999 gegründeten Heidelberger Energie GmbH bietet ihm die optimierte Energiebeschaffung ein erhebliches Sparpotenzial. Allein die Stromkosten machen rund acht Prozent der Umsatzerlöse aus, erklärt er. "Nur Promille bei der Beschaffung zu optimieren, macht bei unserem Verbrauch bereits gigantische Summen aus." Schließlich geht es pro Jahr um 3.800 GWh europaweit, allein in Deutschland sind es 1.000 GWh. Der immense Stromhunger resultiert insbesondere aus zwei Arbeitsschritten: Zum einen benötigen Brecher, die Kalkstein aus den Steinbrüchen zu Schotter zerkleinern, viel Energie. Stromfresser sind zum anderen die Mühlen, die am Ende des Fertigungsprozesses aus Zementklinker, Kalkstein, Anhydrit und Gips feines Zementpulver machen. Dank einer Produktionsplanung kann die Heidelberger Energie GmbH die Einsatzzeiten dieser Anlagen genau vorhersagen. Ausgangsbasis sind die Planungen der einzelnen Werke im Stundenraster. Über den spezifischen Verbrauch der Anlagen lässt sich der voraussichtliche Stromverbrauch hochrechnen. "Diese Stromprognosen sind relativ genau", sagt Hans-Dieter Strobach, einer der vier Mitarbeiter bei Heidelberger Energie. Ausreißer einzelner Werke, wie sie sich immer mal ergeben, würden sich in dem virtuellen Bilanzkreis der HeidelbergCement wieder ausgleichen, meint er. Bis vor kurzem hat Strobach seine Prognosen mit Hilfe etlicher Excel-Tabellen erstellt. Diese hatten unzählige Verknüpfungen abzubilden und war wegen ihrer Größe schwierig zu handhaben. Hier einen eventuellen Fehler zu entdecken, war beinahe unmöglich. "Außerdem bot die Excel-Lösung keine Möglichkeit, Vergangenheitsdaten nachzuvollziehen, Statistiken anzufertigen und automatische Reports zu erstellen". Auch die fehlende Möglichkeit des direkten Zugriffs auf die Planungsdaten jedes einzelnes Produktionsstandortes, nennt Herr Strobach als weiteren Grund, nach professioneller Software für das Portfoliomanagement Ausschau zu halten. Gesucht war ein System, das in der Funktionalität skalierbar und flexibel ist. "Wir wollten gerne einige unternehmensspezifische Wünsche einbringen können, das wäre bei manch umfangreicher Lösung unmöglich oder sehr teuer gewesen", kommentiert Strobach. Daher habe sich das Team für das Portfolio- und Risikomangementsystem E-Risk POWER entschieden, eine Lösung der DACHS GmbH aus Schwerin. "Sie entsprach unserem Anforderungsprofil. Zudem war uns das flexible DACHS-Team sympathisch."
Dank der Modularität von E-Risk POWER konnte Heidelberger Energie die zu den Abläufen passenden Bausteine aussuchen. Neben der Basislizenz, die dem Vertragsmanagement dient, Importschnittstellen bietet und den physikalischen sowie den finanziellen Stromhandel abbildet, erwarb das Unternehmen die Module Portfolio- und Risikoanalyse, Invoicing, den HPFC-Builder sowie ein individuelles Stromplanungsmodul. Seit wenigen Wochen ist das System im Einsatz. Die Portfolioanalyse erlaubt das Zerlegen von Portfolios und ihre Optimierung, das Bepreisen und viele weitere Funktionen, die für die strategische Beschaffung von Bedeutung sind. Mit dem HPFC-Builder können unternehmens- und marktspezifische Eigenheiten modelliert, Strompreise von verschiedenen Handelsplätzen ohne Eingriffe eines Bedieners eingelesen und die automatisch generierte Hourly Price Forward Curve u.a. auf hinterlegte Handelszonen zur MTM- Bewertung angewendet werden. Diese hilft auch dabei, den bestmöglichen Zeitpunkt für den Stromeinkauf zu bestimmen. Dr. Sentker sieht im "passenden Timing" das größte Potenzial, die Energiekosten zu minimieren. "Einsparungen aufgrund Preisverhandlungen mit Vorlieferanten oder das Bündeln des Strombedarfs bewirken nur einen Bruchteil dessen, was man bei der strategischen Beschaffung durch die geschickte Wahl des Einkaufszeitpunkts sparen kann." Das Invoicing-Modul unterstützt die Mitarbeiter bei der Erstellung von Rechnungen gegenüber Kontrahenten, der verursachergerechten Abrechnung von Energiekosten gegenüber den Werken sowie bei der Kontrolle von Rechnungen, etwa den Regelenergierechnungen.
Speziell für die Heidelberger Energie erstellte DACHS das Modul Power Planning: Alle Zementwerke haben über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN, hier Citrix) darauf Zugriff. Für jeden Standort existiert eine eigene Eingabemaske. In ihr sehen die Produktionsleiter keinerlei energierelevante Felder, sondern übersichtliche Tabellen zur Einsatzplanung des eigenen Maschinenpark. Die Bildschirmmasken bilden genau die Maschinen des jeweiligen Werks in einem Stunden-Zeitraster ab. Hier tragen die Betriebsleister ein, zu welchen Zeiten welche Maschinen laufen werden. Die Einsatzplanung jeder einzelnen Maschine wird durch kunfigurierbare Parameter in Energieverbrauchsdaten umgewandelt. Durch ein besonderes Rechtesystem in E-Risk POWER hat jedes Werk außschließlich Zugriff auf seinen Maschinenpark. Zusätzlich werden die Planungsdaten über verschiedene Plausibilitätstest geprüft. Die Werksplanungseingaben werden im E-Risk POWER System gespeichert und in den folgenden Veredelungsprozessen automatisch, unter anderem beim DayAhead- Trading, Fahrplanmanagement bzw für eine MTM Bewertung, berücksichtigt.
Auch hier zeigt sich die Flexibilität und Leistungsstärke der DACHS GmbH. Das Stromplanungsmodul ist ein neues eigenständigen Modul im System E-Risk POWER. Das heißt, die Heidelberger Energie GmbH kann von allen allgemeinen Verbesserungen der Kernfunktionen des Systems E-Risk POWER profitieren und parallel ihr kundenspezifisches Stromplanungsmodul optimieren.  Zementklinker, Gips und Anhydrit zu feinem Zement sind extrem energieintensiv. (Bild: HeidelbergCement AG) Das Portfolio- und Risikomanagementsystem E-Risk POWER basiert auf einer SQL-Datenbank (MSSQL/Oracle). Das verleiht der Heidelberger Energie die Möglichkeit, Daten lückenlos und revisionssicher zu protokollieren und zu archivieren. Auch die Auswertung über Vergangenheitszeiträume ist kein Problem. "Nicht zu vergessen die Automatismen wie Fahrplanerstellung", ergänzt Strobach die Liste der Vorzüge. Für das System der DACHS GmbH sprach auch die Abbildung von Geschäftsprozessen im europäischen Stromhandel. Mittlerweile befindet sich das System E-Risk POWER in 7 verschiedenen europäischen Ländern bei Händlern und Versorgern im Einsatz und bildet die jeweiligen Marktregeln dort ab. Ein Vorteil, was der HeidelbergerCement und ihren europäischen Werken zukünftig zur Güte kommen kann. Dr. Sentker ist überzeugt, dass sich das Portfoliomanagement schnell auszahlen wird: "Wir können nun mit einer ähnlichen Professionalität planen, Ein- und Verkaufsstrategien erarbeiten und umsetzen wie ein Energieversorger." Unterm Strich spare eine aktive Strombeschaffung zirka drei Prozent, errechnete Sentker. "Das ist ungefähr der Anteil, den Stromlieferanten bei der Vollversorgung als Risikopuffer einbauen." Mitunter dank E-Risk POWER kann der Zementfabrikant diese drei Prozent nun auf der Habenseite verbuchen.
Das Portfolio- und Risikomanagementsystem E-Risk POWER ist eine praxisorientierte Entwicklung der DACHS GmbH mit den bestehenden Kunden und Partnern und besitzt aufgrund dessen eine hohe Anwenderflexibilität. Neben der schnellen Integration in die vorhandene EDV-Landschaft und dem offenen Schnittstellenkonzept überzeugt E-Risk POWER durch das automatische Fahrplanmanagement, die Abbildung des europäischen grenzüberschreitenden Handels, die Zerlegung und Bepreisung von beliebigen Produktstrukturen sowie durch das integrierte Abrechnungs- und Prognosesystem.
HeidelbergCement in Zahlen HeidelbergCement zählt heute mit Aktivitäten in 50 Ländern, einem weltweiten Zementabsatz von rund 68 Mio. t und 41.000 Mitarbeitern zu den größten Zementherstellern der Welt. Allein in Deutschland betreibt die Gruppe 14 Zement- und Mahlwerke. Ihr Stromverbrauch summiert sich auf etwa 1.000 GWh/a, alle Standorte Europas benötigen zusammen 3.800 GWh/a. Zu den Beteiligungen der HeidelbergCement gehört die Heidelberger Energie GmbH, die mit der Strombeschaffung für diese Werke beauftragt ist. |